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Das Stadtradeln 2021 geht zu Ende, Rastede radelt weiter

Das Stadtradeln geht heute zu Ende, morgen bekomme ich meinen Autoschlüssel zurück. Ich glaube nicht, dass ich ihn so schnell brauchen werde. Denn obwohl wir unser Auto grundsätzlich nicht so oft benutzen, haben auch wir in diesen drei Wochen die Möglichkeiten für unseren Fahrradalltag noch erweitern können. Was hat uns das Stadtradeln sonst gebracht? Wir haben als Familie mehr Zeit gemeinsam verbracht und das wollen wir auf alle Fälle so beibehalten. Wir planen schon wieder die nächsten Ausflüge und auch längere Touren für die Sommerferien. Jede*r darf sich Ziele aussuchen und mitentscheiden oder auch allein für die anderen eine Route planen.

Das Stadtradeln hatte bei uns aber auch noch völlig unerwartete Nebeneffekte. Rastede radelt nach dem Ende der Stadtradeln-Aktion natürlich weiter und mir hat das Bloggen so viel Spaß gemacht, dass ich hier neben dem offiziellen Stadtradeln-Star-Blog auf der Stadtradelnseite der Gemeinde den Blog „Rastede radelt“ erstellt habe und weiterhin rund ums Thema Radfahren in Rastede „und um zu“ bloggen werde. Der „Nebeneffekt“ Bloggen hat übrigens auch unsere Kinder erfasst, die nun fleißig in passwortgeschützten Blogs über ihre vielfältigen Aktivitäten vom Radfahren bis zur Anlage eines Regenwurmwohngebiets im Garten berichten.

Nicht nur wir, sondern auch viele andere Rasteder*innen waren drei Wochen lang im Fahrradfieber, alle zusammen insgesamt 15 Tonnen CO2 eingespart. In der KGS war Radfahren DAS Thema. Der Wettbewerb hat allen viel Spaß gebracht. Die 6A3 ist mit fast 5000 zurückgelegten Kilometern unangefochtener Sieger. Noch mehr als der Wettbewerb stand in der KGS aber das Verbindende im Vordergrund, denn so unterschiedlich sonst die Interessen sind, Radfahren begeistert einfach (fast) alle. Und das ist für mich auch insgesamt der prägendste Eindruck, den ich vom Stadtradeln 2021 mitnehme: Das Radfahren verbindet sehr, sehr viele Rasteder*innen – und das ist sicherlich auch die beste Voraussetzung dafür, dass Rastede zu einer rundum fahrradfreundlichen Gemeinde wird. Zum Abschluss der Stadtradeln-Aktion möchte ich diese Vielfalt noch einmal sichtbar machen, und zwei ganz unterschiedliche Rasteder Stadtradeln-Teams vorstellen: mein eigenes Team „Brains on Bikes“, das die Vielfalt und das große Interesse am Thema Radfahren innerhalb der KGS widerspiegelt, und das Team der Firma ESD-Feuerschutz, das in drei Wochen ganze 329 Kilometer pro Kopf zurückgelegt hat.

Brains travel on Bikes

ist ein Unterteam der KGS, das ich am ersten Tag der Stadtradeln-Aktion für alle radbegeisterten KGS-Personen gegründet habe, die sonst kein Team hätten. Auf den ersten Blick mag man mit einem KGS-Unterteam nicht die größte Vielfalt verbinden, denn das sind doch sicherlich hauptsächlich Schüler*innen, oder? Ja, das schon. Aber wer viel mit Jugendlichen zu tun hat weiß, wie selten es ist, (a) dass sich Schüler*innen aus drei Jahrgängen zu einem Team zusammenfinden, (b) dass sie selbstständig weitere Schüler*innen motivieren und (c) dass sie eine Mitarbeiter*in der Caféteria als Teammitglied anheuern. Auf den Fotos 3 bis 6 sind einige der 26 Brains on Bikes zu sehen. Ich habe sie natürlich auch befragt, wie sie das Rad im Alltag nutzen und wie sie sich ein fahrradfreundliches Rastede vorstellen.

Wie nutzt ihr das Fahrrad im Alltag?

Anna: Ich nutze das Fahrrad, um kürzere Strecken zurückzulegen. Außerdem bereitet es mir besonders am Wochenende Freude, schöne Strecken mit dem Rad zurückzulegen (zum Beispiel entlang der Hunte). Wenn es nicht notwendig ist, lasse ich das Auto stehen, um Emissionen einzusparen. Außerdem hat Bewegung auch noch niemandem geschadet.

Gesche: Ich nutze das Fahrrad, um in die umliegenden Ortschaften zu gelangen. Für weitere Strecken bin ich bemüht, den Zug zu nutzen. Meine Motivation ist der Klimaschutz und die Selbstständigkeit.

Tobias: Ich fahre jeden Tag mit dem Rad zur Schule, und mache gelegentlich auch Radtouren (z.B. nach Wilhelmshaven). Fahrradfahren macht Spaß, man hat ein Gefühl des „Stolzes“, wenn man weit entferntes Ziel mit dem Fahrrad erreicht hat.

Was läuft schon gut in Rastede, wo siehst du noch Probleme?

Anna: Die Akzeptanz gegenüber Fahrradfahrern*innen ist in letzter Zeit deutlich gestiegen. Ein Problem sind allerdings geteilte Rad- und Fußwege und auch einseitige Fahrradwege.

Gesche: Ich wünsche mir breitere Radwege in die umliegenden Ortschaften, damit es mit Gegenverkehr oder Überholen nicht so eng ist.

Lara: In Rastede müssen grundsätzlich mehr Radwege gebaut bzw. ausgebaut werden, damit man sicher unterwegs ist.

Kjell: Innerhalb der nächsten 3 Jahre wird in Loy Glasfaser verlegt, gefördert vom Landkreis, einen direkten Fahrradweg zwischen Loy und Rastede gibt es dagegen nicht. Nach Loy führen nur Radwege über Wahnbeck oder das Gewerbegebiet ‚Autobahnkreuz Oldenburg Nord. Der Bürgerbus kommt, sofern er nicht Corona-bedingt ausfällt, alle 1½ Stunden, allerdings nicht vor 8Uhr oder nach 19Uhr und auch nicht am Wochenende. Auf der direkten Verbindung zwischen Loy und Rastede (Loyer Weg/Hankhauser Weg) gibt es kein Schild zur Geschwindigkeitsbegrenzung und keinen Fahrradschutzstreifen. Daher bleibt den Schüler*innen nur der Sandweg durch den Wald – extra Krafttraining bei frischer Waldluft inklusive. Oldenburg ist mit dem Wesersprinter besser an Loy angebunden, als Rastede.

Was muss sich deiner Meinung nach verändern, damit das Ammerland bis 2030 zum Fahrradland werden kann?

Anna: Der Ausbau von Radwegen müsste vorangetrieben werden. Außerdem wäre es wichtig, dass Fahrradfahrer*innen von Autofahrern*innen als ebenbürtige Verkehrsteilnehmer*innen akzeptiert würden.

Gesche: ausgebaute Radwege (z.B. glatter Asphalt, manche Radwege sind aufgrund von Schäden sehr blöd zu fahren); Fahrradschnellstraßen; in Ortskernen einige Teile der Parkplätze durch Fahrradstellplätze ersetzen, damit das Autofahren innerhalb eines Ortes unattraktiver wird; ein Fahrradleihsystem (normale Räder, aber auch Lastenräder) mit vielen einzelnen Standorten im Ammerland;

Tobias: Endlich mal die Schlaglöcher beseitigen, endlich mal kein Pflaster, sondern Teer auf Radwegen benutzen!

Warum sollten noch mehr Rasteder*innen noch öfter mit dem Rad fahren?

Anna: Jede zurückgelegte Strecke mit dem Fahrrad ist eine Strecke ohne ausgestoßene Emissionen und somit auch ein Schritt in Richtung Klimaschutz: Jeder kann hier etwas bewirken!

ESD-Feuerschutz

Zusammen mit meinem Sohn habe ich auch das Stadtradeln-Team der Firma ESD-Feuerschutz besucht, das uns sehr freundlich aufgenommen und alle Fragen beantwortet hat. Bei den sechs Teammitgliedern ist die Radbegeisterung so groß, dass die Firma sogar einen eigenen Pokal für den firmeninternen Stadtradeln-Sieger anfertigen lassen hat.

Wie nutzen Sie das Fahrrad im Alltag und was ist Ihre persönliche Motivation?

Torsten Drieling: Ich habe ein normales Herrenrad und fahre damit häufig zur Post oder alles was sich in der näheren Umgebung befindet . Auch am Wochenende fahren wir gerne Fahrrad. Es hilft mir Fit zu bleiben, es geht schneller und ich habe Bewegung an der frischen Luft. Man sieht viel mehr von der Gegend.

Sylvia Stumpf: Ich habe ein City Fahrrad ohne Akku. Ich nutze es viel im Alltag. Ich möchte etwas von der Natur sehen. Mit dem Auto rauscht man nur so vorbei und bekommt nicht wirklich was mit. Wir haben 4 Kinder und da muss man sich fit halten. Unsere Kinder fahren gerne mit dem Fahrrad zur Schule zum Verein oder Freunde besuchen. Auch für kurze Strecken nehme ich sehr gerne das Fahrrad.

Anke Drieling: Vor dem Stadtradeln habe ich das Fahrrad nur selten genutzt für Sonntagsfahrten oder kurze Strecken in den Ort. Jetzt fahre ich jeden Morgen ca. 10 km zur Arbeit und wieder zurück. Ich möchte fitter werden und das Fahrradfahren macht mir Spaß.

Wiebke Drese: Ich habe ein E-Bike, nutze aber auch viel mein altes Hollandrad. Alles, was im Ort zu erledigen ist, versuche ich möglichst mit dem Rad zu erledigen. Mein Motivation ist die persönliche Fitness und Radfahren nimmt unheimlich viel Stress und Hektik aus dem Alltag, man kann dabei gut nachdenken und abschalten.

Was läuft schon gut in Rastede, wo sehen Sie noch Probleme, was wünschen Sie sich?

Torsten Drieling: So weit läuft es gut in Rastede, allerdings ist die Einbahnstraßen-Regelung im Ort etwas hinderlich, weil man immer die Straßenseite wechseln muss . Ich hoffe, dass viele Menschen wieder die Vorteile am Fahrradfahren entdecken. Häufig ist es so dass man aus Gewohnheit mit dem Auto fährt.

Sylvia Stumpf: Ich wünsche mir eine Verbesserung der Radwege, mehr Stellplätze für Fahrräder und mehr Umwelt- und Klimabewusstsein der Bürger.

Anke Drieling: Es gibt viele Fahrradwege, die sehr schlecht sind oder zu eng.

Wiebke Drese: Im Grunde läuft es schon gut. Es fehlt allerdings an Abstellplätzen für Räder. Einige Strecken sind katastrophal, zum Beispiel der Pottsweg. Auch die Radwege an der Raiffeisenstraße bis Borchers, egal auf welcher Seite, sind in einem wirklich schlimmen Zustand. Ich wünsche mir ein höheres Umweltbewusstsein bei den Bürgern und mehr Akzeptanz und Rücksichtnahme auf Radfahrer im Straßenverkehr.

Ich bedanke mich bei den Brains on Bikes, beim ESD-Team, aber auch allen anderen Radbegeisterten, die mir in den letzten drei Wochen geduldig alle meine Fragen beantwortet haben. Ich selbst wünsche mir, dass Rastede 2022 wieder beim Stadtradeln dabei ist, dass dann noch viel mehr Menschen mitmachen und dass es auch noch mehr Stadtradeln-Stars gibt, die ihren Autoschlüssel für drei Wochen bei Herrn Kobbe im Rathaus abgeben.

Von Rastede zum besten Eis der Welt

Eins unserer Lieblingsziele an Sonntagen ist „Krauss Eis“ in der Donnerschweer Straße in Oldenburg. Zum einen gibt es dort einfach das weltbeste Eis und zum anderen kann man auf dem Weg dorthin viel Spannendes entdecken, z.B. die Bücherbox in Etzhorn und Entenküken am Ohmsteder Esch.

  • Bücherbox in Etzhorn
  • Gut Loy, Rastede

Unsere Route von Rastede in die Donnerschweer Straße in Oldenburg und zurück:

Hinweg:

von der Buchenstraße Richtung Schlosspark, über den Loyer Weg bis zum Kiefernweg;
nach rechts in den Kiefernweg;
nach rechts in die Emsoldstraße; kurz danach nach links auf den Feldweg;
weiter bis zur Kreuzung mit dem Loyer Kirchweg;
dort nach rechts auf den Loyer Kirchweg;
dem Loyer Kirchweg bis nach Loy folgen, dort geradeaus/halb rechts auf die Ringstraße;
dann nach rechts auf die Dorfstraße;
der Dorfstraße bis zur Braker Chaussee folgen; am Gut Loy vorbei;
an der Fußgängerampel über die Braker Chaussee;
geradeaus weiter auf der Butjadinger Straße;
der Butjadinger Straße durch Wahnbek bis nach und durch Oldenburg folgen;
am Ende der Butjadinger Straße nach rechts in die Elsflether Straße, die wird dann zur Donnerschweer Straße;
dann Vorsicht bei der Unterquerung der Nordtangente — Rechtsabbieger auf der Fahrbahn können Radfahrer*innen schnell mal übersehen;
nach der Nordtangente ist das Ziel bald auf der rechten Seite

Rückweg (nach Eis-Pause):

auf der Donnerschweer Straße in Richtung Bahnhof fahren
(also nicht zurück, sondern weiter in derselben Richtung wie vor der Ankunft am Eiscafé);
an der nächsten Kreuzung nach rechts in den Großen Kuhlenweg;
nach rechts in den Trommelweg;
nach links in den Mühlenhofsweg, sofort wieder nach rechts in den Park;
dem Weg durch den Park bis zum Ende folgen;
nach links in die Rennplatzstraße, gleich wieder rechts in den Hochheider Weg;
nach links in den Grashornweg;
nach links in den Schellsteder Weg;
nach rechts in den Triftweg; dem Triftweg folgen, dabei die Wilhelmshavener Heerstraße überqueren;
nach der Autobahnunterführung nach rechts in die Mellumstraße;
weiter geradeaus auf den Fuß- und Radweg, der zum Muttenpottsweg führt;
geradeaus, den Langenweg überquerend, in den Hopfenweg (der Ausschilderung Richtung Waldfriedhof folgen);
am Ende des Hopfenwegs nach links in „Am Strehl“;
nach rechts in den Schafjückenweg;
„Am Ende“ geradeaus überqueren in die Grafestraße;
nach rechts in „Achtern Grode Feldhus“

Ab hier sind wir eine Zeit lang immer über die Neusüdender Straße in den Knickweg eingebogen und dann durch den Klostermoorweg zur Oldenburger Straße gefahren. Das werden wir in Zukunft nicht mehr tun, weil das Befahren des Knickwegs zu gefährlich ist. Auf diesem Feldweg, der nur zwischen 3 m und 3,5 m breit ist, ist regelmäßig ein SUV unterwegs, der Radfahrer*innen mit wenigen Zentimetern Abstand überholt. Daher haben wir uns folgende Alternative ausgesucht:

von „Achtern Grode Feldhus“ nach rechts in die Neusüdender Straße einbiegen;
am Kreisverkehr nach links in die Oldenburger Straße:
Vorsicht: der Rad- und Fußweg ist sehr schmal, daher Rücksicht auf entgegenkommende Radfahrer*innen nehmen;
auf der Oldenburger Straße nach Rastede radeln

Eine Karte der Route findet man hier: https://bit.ly/3iZQBJ4

„Ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksichtnahme. Wir müssen uns miteinander im Straßenverkehr arrangieren.“

Heute haben wir eine kleine Radtour nach Oldenburg gemacht, um das beste Eis der Welt zu essen: Krauss Eis in der Donnerschweer Str. 331. Dabei haben wir schöne Fotos gemacht und ich wollte diese hier eigentlich zusammen mit der Route einstellen. Dazu habe ich nun aber einfach nicht mehr die Nerven, weil wir kurz vor Ende unserer Tour ein so gefährliches Erlebnis hatten, dass wir noch total geschockt sind. Auf dem Knickweg, einem Feldweg, der zwischen 3,00 und 3,50 m breit ist, ist ein SUV mit wenigen Zentimetern Abstand an uns und den Kindern vorbeigefahren. Mein Sohn hat sich so erschrocken, dass er den ganzen Nachhauseweg geheult hat. Nach dem Überholmanöver hat der Autofahrer direkt vor uns gehalten und ist ausgestiegen, um uns breit lächelnd darüber aufzuklären, dass wir eben weiter rechts fahren müssen. Auf meine Erwiderung, dass der Weg so schmal sei und viele Schlaglöcher habe, und dass er 1,5 m Abstand halten muss – zumal Kinder dabei waren, hat er weiterhin gelächelt und wiederholt, dass das völlig normal sei, dass er uns dort überholt. Dann ist das Auto weitergefahren und nach wenigen Metern links auf das Grundstück in der Mitte des Knickwegs eingebogen.

Dieses Schild befindet sich an der DB-Baustelle im Knickweg. Am Knickweg selbst ist ein solches Schild nicht zu finden, obwohl ich es mir heute sehr gewünscht hätte. Das liegt daran, dass der Knickweg ein öffentlicher Weg ist und kein Privatgelände. Im Knickweg gilt die StVO also einfach so – ganz ohne Schild.

Da der Fahrer extra vor uns angehalten hat, um uns zu erklären, was wir falsch gemacht haben, hatte er es offensichtlich nicht einmal eilig, sondern er hat das einfach aus Prinzip gemacht. Wir haben mit Mühe und Not das heulende Kind nach Hause bekommen und ich werde auf keinen Fall meine Kindern jemals wieder allein auf dem Knickweg mit dem Fahrrad fahren lassen, denn diese Person ist dort regelmäßig unterwegs.

Nach diesem Ereignis erscheint es mir umso wichtiger, dass wir uns für den Radverkehr in Rastede stark machen. Dabei geht es auch ums Klima, zuallererst geht es aber einmal um die Sicherheit der Menschen, die in Rastede „und um zu“ mit dem Rad unterwegs sind. Natürlich wird es immer einzelne Personen geben, die meinen, ihnen gehöre der Knickweg, und die leichtsinnig andere gefährden. Aber wenn Fahrradfahren insgesamt einen höheren Stellenwert in der Gemeinde erlangt, wird sich das auch auf das Miteinander im Verkehr auswirken. Daher möchte ich heute die Gelegenheit nutzen, den ADFC Ammerland vorzustellen, der sich hier bei uns für die Belange von Radfahrer*innen, aber auch von Fußgänger*innen einsetzt. Unsere Familie ist schon seit über 10 Jahren Mitglied im ADFC. Der Vorsitzende des ADFC Ammerland, Thorsten Schramm, wohnt selbst in Rastede. Und ich freue mich besonders, dass er sich Zeit für meine Fragen genommen hat.

Der ADFC ist ein Verband, der sich für die Förderung des Radverkehrs einsetzt. Welche Aktivitäten gehören konkret zum Engagement des ADFC Ammerland?

Thorsten Schramm: Der Verein hat den Zweck, unabhängig und überparteilich im Interesse der Allgemeinheit den Fahrradverkehr und die Belange nichtmotorisierter Verkehrsteilnehmer*innen zu fördern. Beratung und Unterstützung für Mitglieder*innen, Bürger*innen, Verwaltung und Politik bei Fragen rund ums Fahrrad oder Infrastruktur. Z.B. Förderung und Sensibilisierung des Fahrradverkehrs, durch Aktionen und Aufklärung.
Wir bieten im Landkreis verteilt immer wieder Codieraktionen an. Dabei wird ein Code (Kombination aus Orts-/Straßenschlüssel, Anfangsbuchstaben des Namen und Codierjahr) auf den Fahrradrahmen aufgebracht, mit dem auf den Eigentümer*in zurückgeführt werden kann. Desweiteren unterstützen und beraten wir die Ammerland Touristik bei den 15 Themenrouten, des Radwegenetzes und dem neu eingeführten Knotenpunktsystem. Aus den Ortsgruppen heraus werden regelmäßig Touren von unseren Tourenguides angeboten. Dabei werden Feierabendtouren, Ganztagestouren oder auch geführte Touren mit Erörterungen durchgeführt. Die Touren sind öffentlich und nicht nur für Mitglieder*innen. Ebenso geben wir unsere Stellungnahmen beispielsweise bei Planfeststellungsverfahren des Landkreises.

In welchen Bereichen sehen Sie in Rastede noch „Förderbedarf“ beim Radverkehr?

T.S. Zum Beispiel bei der Einführung eines Radverkehrskonzeptes und Schaffung einer Ressource als Radverkehrsbeauftragte*r in der Gemeinde. Ein schwieriges Thema ist die Radwegeführung am Beispiel Oldenburger Straße, Raiffeisenstraße oder auch die Kreisverkehre. Hier wünschen wir uns eine Vereinheitlichung. Es ist teils schwer zu verstehen, wann wo wie schnell gefahren werden darf. Verbesserung der Oberflächen und Wegebreiten, z.B. Ausbesserungen von Wurzelaufbrüchen, Schäden durch Frost oder der Grasüberwuchs an ohnehin schon schmalen Wegen. Wir wünschen uns komfortable Radschnellwege, z.B. zwischen Rastede und Oldenburg.
Hilfreich und ein Sicherheitsgewinn wären Aufstellflächen/Fahrradbuchten an Lichtsignalanlagen. Allgemein Schaffung von Sicherheit für Fahrradfahrende, z.B. durch Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Oldenburger Straße auf 30 km/h.

Beim ADFC-Klimatest hat Rastede nicht so gut abgeschnitten. Wer ist verantwortlich dafür, dass die Probleme angegangen werden und welche Maßnahmen schlägt der ADFC vor?

T.S. Die Probleme sind uns bekannt und werden regelmäßig angesprochen. Wir sind dabei im Kontakt mit der Polizei, dem Landkreis und der Gemeinde. Mit unserer Gemeinde steht noch ein gemeinsamer Termin aus, in dem wir beispielhaft die Oldenburger Straße abfahren wollen und auf Gefahrenpunkte und Verbesserungspotential eingehen wollen. Die Oldenburger Straße ist ein Beispiel für eine mannigfaltige Beschilderung, Verkehrsführung und innerhalb des Ortskerns ohne Leitlinie, bei gefühlt enger Straße und parkenden Autos.

Der ADFC ist ein Verband und lebt daher vor allem vom Engagement seiner Mitglieder. Für wen ist der ADFC „der richtige Verein“? Was kostet die Mitgliedschaft und was macht man als ADFC-Mitglied?
T.S. Der ADFC breit aufgestellt ist. Regional setzt sich der Verein für den lokalen Radverkehr ein. Der Verein bietet Informationen rund ums Rad, Touren oder Fachthemen an. Bei einer Panne unterwegs gibt es für Mitglieder*innen die Möglichkeit die Pannenhilfe anzurufen. Eine Mitgliedschaft kann aus unterschiedlichen Blickrichtungen passend sein. Als aktives Mitglied um sich z.B. regional einzusetzen, in Arbeitsgruppen oder Ortsgruppen mitzuwirken. Oder als Mitglied um den Verein und seine Aktivitäten zu unterstützen, im Fall der Fälle die 24h-Pannenhilfe zu nutzen oder bei einem der Partner (z.B. Carsharing) zu sparen. Außerdem erhalten Mitglieder*innen das ADFC-Magazin Radwelt mit Informationen zu allem, was Radfahrende politisch, technisch und im Alltag bewegt. Die Einzelmitgliedschaft kostet ab 27 Jahren 56 € pro Jahr. Für Familie liegt die Mitgliedschaft bei 68 € pro Jahr. Menschen zwischen 18 und 26 Jahren erhalten die Mitgliedschaft für 33 € pro Jahr und bei jungen Menschen unter 18 bieten wir die Jahresmitgliedschaft für 16 € an.

Wie nutzen Sie selbst das Fahrrad im Alltag und in der Freizeit?

T.S. Ich bin fast ausschließlich mit dem Fahrrad unterwegs. Auf Wetter kann ich dabei keine Rücksicht nehmen: Sonnenbrille, gefütterte Winterschuhe, Regenjacke oder Mäntel mit Spikes gegen Glätte. Und je nach Anwendung das passende Fahrrad. Ich habe ja auch nicht nur eine Jacke im Schrank hängen 😉

Wo stoßen Sie selbst in Ihrem Alltag mit dem Fahrrad an Grenzen? Wann nutzen Sie das Auto, wann ÖPNV bzw. die Bahn?

T.S. Ich würde mich selbst als Langstreckenradfahrer bezeichnen. Dabei kommt es mir nicht auf Geschwindigkeit, sondern auf Strecke an. Bevor ich mich für 300 km ins Auto setze, schwing ich mich aufs Fahrrad. Dabei kann es vorkommen, dass auch Nächte komplett durchgefahren werden. Für schwere oder große Lasten habe ich eine Ape mit 3 PS (dreirädriger Kleintransporter).

Was müsste sich in Rastede „und um zu“ verändern, damit Sie selbst noch mehr Alltagswege mit dem Fahrrad zurücklegen?

T.S. Ich fahre im Jahr zwischen 18.000 und 20.000 km mit dem Fahrrad, da ist nicht mehr viel Luft nach oben. Dabei kann es hier so abwechslungsreich sein: Wir haben die Stadt Oldenburg vor der Tür, die Nordsee, Moore oder schöne Nebenwege durch Baumschulregionen.

Bundesverkehrsminister Scheuer hat vor Kurzem den Nationalen Radverkehrsplan vorgestellt, demzufolge Deutschland bis 2030 ein Fahrradland werden soll. Gestern (19.06.2021) konnten wir in der NWZ lesen, dass die Zahl der Autos im Ammerland erneut gestiegen ist. Auf 1000 Erwachsene kommen 780 PkW. Was muss sich Ihrer Meinung nach verändern, damit das Ammerland bis 2030 zum Fahrradland werden kann?

T.S. Wir benötigen mehr Anreize zum Fahrradfahren. Fahrradfahren soll Spaß machen, dies beinhaltet aber auch Komfort und Sicherheit. Dazu müssen Ressourcen geschaffen werden, finanzielle wie auch personelle. In Deutschland gab es 2020 rund 79 Millionen Fahrräder, davon über sieben Millionen mit elektrischer Unterstützung. An Fahrrädern mangelt es also nicht – dennoch werden hierzulande wegen fehlender komfortabler Alternativen selbst kürzeste Wege mit dem Auto zurückgelegt. 50 Prozent der Autofahrten sind unter fünf Kilometer, 25 Prozent sogar unter zwei Kilometer. Es besteht also ein erhebliches Verlagerungspotenzial, wenn es ein attraktives Radinfrastrukturangebot in Verbindung mit einem gut ausgebautem ÖPNV gibt.

Schlussendlich appellieren wir immer wieder an alle Verkehrsteilnehmer*innen: Jeder – egal ob mit dem Fahrrad, E-Scooter, Auto, Roller oder zu Fuß – möchte sicher und zügig von A nach B kommen. Der dafür zur Verfügung stehende Raum ist sehr knapp bemessen und die Fortbewegungsmöglichkeiten haben sich verändert. Der motorisierte Individualverkehr hat zugenommen, Autos werden leiser (Elektroautos), durch leichtere und elektrisch unterstützte Fahrräder sind diese gefühlt schneller geworden, neu hinzugekommen sind unter anderem Transport- und Lastenfahrräder oder E-Scooter. Ebenso hat erfreulicherweise der Fahrradverkehr zugenommen, das hat unterschiedliche Gründe: Corona, Gesundheitsgedanken oder der Umweltaspekt. Aber es geht nicht ohne den § 1 der StVO: Ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksichtnahme. Wir müssen uns miteinander im Straßenverkehr arrangieren.

Damit spricht mir Thorsten Schramm aus dem Herzen. Ich bedanke mich für das aufschlussreiche Interview und hoffe sehr, dass wir alle gemeinsam das Fahrradklima in Rastede entscheidend verbessern können.

Für ein fahrradfreundliches Rastede

Die Stadtradeln-Aktion in Rastede neigt sich ganz langsam dem Ende zu. Das heißt aber nicht, dass uns schon die Luft ausgeht 😉 – im Gegenteil. Jeden Tag entdecken wir als Familie neue schöne Wege und schmieden Pläne, wo wir demnächst noch überall hinradeln wollen. Natürlich gibt es in Rastede auch Hürden für den Fahrradalltag. In dieser Woche kam es in Rastede leider zu einem Fahrradunfall, bei dem ein Junge mit einer Pedelec-Fahrerin kollidierte und sich den Arm brach. Die Unfallstelle kennen wir selbst sehr gut, denn sie liegt auf unserem täglichen Schulweg. Wer dort regelmäßig mit dem Rad unterwegs ist, wundert sich sicherlich nicht, dass es auf dem schmalen Fußweg mit Radfreigabe tatsächlich zu einer Kollision gekommen ist – angesichts der häufigen Beinahe-Kollisionen, die man dort beobachten oder selbst erleben muss.

5 der 22 vorbildlichen Stadtradler*innen aus der Gemeindeverwaltung Rastede

Auch die Ergebnisse des letzten ADFC-Fahrradklimatests haben gezeigt: Wirklich fahrradfreundlich ist Rastede noch nicht. Im Herbst 2020 hatten Radfahrer*innen verschiedene Kriterien, wie Sicherheit, Komfort und Infrastruktur auf einer Skala von 1 bis 6 bewertet. In der Gemeinde Rastede wurden 14 von 27 Kriterien mit einer 4 bewertet, vier weitere Kriterien bekamen eine 5. Man muss dazu sagen, dass der ADFC-Fahrradklimatest in vielen anderen Gemeinden in Niedersachsen und Deutschland ähnlich oder noch schlechter ausgefallen ist. Rastede hat mit diesen Ergebnissen im Ranking der niedersächsischen Gemeinden zwischen 20.000 und 30.000 Einwohnern den 10. Platz belegt. Rastede hat in Sachen Fahrradfreundlichkeit aber sehr viel Potential: sehr viele radbegeisterte Bürger*innen, eine gewachsene Infrastruktur und vor allem einen Bürgermeister und einen Gemeindesprecher, die selbst begeisterte Alltagsradler sind und sich die Förderung des Radverkehrs auf die Fahnen geschrieben haben. Zusammen mit dem Team der Gemeindeverwaltung haben Bürgermeister Lars Krause und Gemeindesprecher Ralf Kobbe beim Stadtradeln schon 3.500 Kilometer zurückgelegt (Platz 6). Daher habe ich die beiden befragt, wie sie selbst das Fahrrad nutzen und wie sie den Radverkehr in Rastede fördern wollen.

Wie nutzen Sie selbst im Alltag das Fahrrad?

Lars Krause: In aller Regel nutze ich für den Weg zur Arbeit das Fahrrad und ebenso, um innerhalb Rastedes an verschiedene Ziele zu gelangen. Von Leuchtenburg aus lässt sich eigentlich alles bestens erreichen. Neben dem praktischen Nutzen im Alltag hat das Radfahren für mich aber auch den Aspekt fit zu bleiben und die Umwelt zu schonen. Privat unternehmen wir zudem an Wochenenden oder im Urlaub sehr viele Radtouren.

Ralf Kobbe: Neben dem täglichen knapp sieben Kilometer langen Weg von Wahnbek zur Arbeit im Rathaus nutze ich das Rad für kleinere Einkäufe, für die Fahrt zum Sport oder auch zu Besuchen bei meinen Eltern in Hahn-Lehmden. Ich versuche generell, alle Fahrten innerhalb der Gemeinde oder auch nach Oldenburg mit dem Fahrrad zu erledigen. Insofern ist die ganzjährige Nutzung meines Fahrrads für mich selbstverständlich.

Wo stoßen Sie in Ihrem Alltag mit dem Fahrrad an Grenzen? Wann nutzen Sie das Auto, wann ÖPNV bzw. die Bahn?

Lars Krause: Die Grenzen werden meist durch die Faktoren Distanz und Zeit bestimmt. Dank unseres Dienst-E-Bikes sind Strecken bis zu zehn Kilometer gut zu bewältigen. Aber wenn sich ein Termin an den anderen Termin reiht, bietet sich häufig eher der E-Dienstwagen an. Gegenüber dem ÖPNV besteht der Vorteil darin, dass man sein Ziel direkt erreicht. Deshalb nutze ich Busse und Bahnen im Nahbereich recht selten.

Ralf Kobbe: Bei größeren Einkäufen mit Getränken für unsere vierköpfige Familie stoße ich mit dem Fahrrad schnell an Grenzen, sodass dafür das Auto genutzt wird. Den ÖPNV nutze ich so gut wie gar nicht, muss ich gestehen – mit Ausnahme des einen oder anderen Besuchs von Heimspielen der EWE Baskets Oldenburg.

Was müsste sich in Rastede „und um zu“ verändern, damit sie selbst noch mehr Alltagswege mit dem Fahrrad zurücklegen?

Ralf Kobbe: Eigentlich komme ich momentan überall gut durch, sodass ich nahezu alle Alltagsweg bis zu zehn Kilometer mit dem Fahrrad erledige. Wichtig ist natürlich die persönliche Ausrüstung mit Helm sowie Schutz- und Regenkleidung, um auch bei widrigem Wetter mit dem Fahrrad mobil sein zu können.

Lars Krause: Mein persönlicher Anspruch ist es, möglichst viele Wege mit dem Fahrrad zurückzulegen, da bedarf es eigentlich keiner zusätzlichen Motivation oder Veränderung.

Bundesverkehrsminister Scheuer hat vor Kurzem den Nationalen Radverkehrsplan vorgestellt, demzufolge Deutschland bis 2030 ein Fahrradland werden soll. In Rastede hat statistisch jeder Haushalt mindestens ein Auto. Der Trend zum 2. Auto setzt sich fort. Was muss sich Ihrer Meinung nach verändern, damit das Ammerland bis 2030 zum Fahrradland werden kann?

Ralf Kobbe: Zunächst muss man aus meiner Sicht deutlich unterstreichen, dass das Ammerland im Vergleich zu vielen anderen Landkreisen bereits über eine gute Fahrradinfrastruktur verfügt. Jetzt liegt der Schwerpunkt nicht mehr auf dem Neubau von Radwegen, sondern auf der Sanierung der bereits bestehenden Verbindungen. Die vorhandenen Wege sind teilweise ziemlich in die Jahre gekommen und genügen den heutigen Ansprüchen nur noch bedingt, da inzwischen nicht nur normale Fahrräder unterwegs sind, sondern schnelle E-Bikes, Lastenräder oder Fahrräder mit Anhänger. Dafür sind die schmalen und teilweise unebenen Radwege nicht ausgelegt.

Lars Krause: Daneben muss sich sicherlich unser Bewusstsein verändern, dahingehend, dass es zur Selbstverständlichkeit wird, kurze Strecken mit dem Rad zu absolvieren. Das ist ein Prozess, der sich nicht von einem Tag auf den anderen vollzieht. Als Gemeinde versuchen wir, diese Entwicklung zu fördern. Durch die Teilnahme am „Fahrradklimatest“ haben wir erhoben, wo die Stärken und Schwächen unserer Infrastruktur gesehen werden. Vom „Stadtradeln“ erhoffen wir uns, dass noch mehr Rastederinnen und Rasteder feststellen, dass das Fahrrad für viele Alltagswege die bessere Alternative ist. Auch mit Aktionen wie dem mobilen Bürgerdialog wollen wir das Rad mehr in den Fokus rücken.

Für den Verkehr trägt die Gemeinde nur teilweise die Verantwortung, viele Aufgaben liegen auch beim Kreis. Welche Aufgaben hat die Gemeinde Rastede und was ist in nächster Zukunft im Bereich „Radverkehrsförderung“ geplant?

Lars Krause: Radwege befinden sich in unserer Gemeinde fast ausschließlich an Kreisstraßen, aber wir möchten bei der Frage, was für den Radverkehr förderlich ist, deshalb nicht die Hände in den Schoß legen. Vielmehr nehmen wir konstruktive Anregungen und Meldungen über Probleme gerne auf und versuchen zusammen mit dem Landkreis Verbesserungen zu erzielen. Nach der „Stadtradeln“-Aktion werden wir uns auch mit Vertretern des ADFC und anderen Fahrradinteressierten treffen, um die Stärken-Schwächen-Analyse weiter zu vertiefen. Daraus lassen sich am Ende sicherlich mögliche Maßnahmen ableiten. Die müssen dann zunächst mit der Politik erörtert und können anschließend gegebenenfalls umgesetzt werden.

Ralf Kobbe: Es gibt erste Ansätze, die mit vergleichsweise wenig Geld umzusetzen wären, aber eine große Wirkung für den Stellenwert des Fahrrads entfalten könnten. Ich persönlich würde gerne die Vorfahrtsregelung an unseren Kreisverkehrsplätzen geändert sehen, dem Radverkehr rund um die Schulen grundsätzlich Vorfahrt gewähren und die Ampelschaltungen im Ort für den Radverkehr optimieren. Mittelfristig müsste sicherlich das große Thema Oldenburger Straße mit den unterschiedlichsten Regelungen für Radfahrende in Angriff genommen werden.

Beim ADFC-Fahrradklimatest 2020 wurden insbesondere die zu geringe Breite und der schlechte Zustand von Radwegen bemängelt. Aber es gaben auch viele Teilnehmer*innen an, dass sie im Mischverkehr von Kfz bedrängt werden und sich insgesamt beim Radfahren nicht sicher genug fühlen. Was muss sich Ihrer Meinung nach in Rastede verbessern und wo sehen Sie Möglichkeiten von Seiten der Gemeinde, diese Verbesserungen voranzutreiben?

Ralf Kobbe: Auf die geringe Breite und den teilweise schlechten Zustand der Radwege bin ich ja bereits eingegangen. Hier setze ich auf den Landkreis Ammerland, der sich die Ertüchtigung der Radwege an den Kreisstraßen für die nächsten Jahre zur Aufgabe gemacht hat. Darüber hinaus gilt es, um Verständnis und Rücksichtnahme unter allen Verkehrsteilnehmern zu werben, da sich die aufgezeigten Probleme nur gemeinsam lösen lassen. Vielleicht sind dafür Veranstaltungen und Workshops mit Experten zum Thema innerörtliche Mobilität geeignete Instrumente, um eventuell auch weitergehende Lösungsansätze erarbeiten zu können.

Lars Krause: Die Herausforderung, eine vorhandene, gewachsene Infrastruktur so anzupassen, dass sich die Situation insgesamt verbessert, ist nicht zu unterschätzen. Es kann nicht das Ziel sein, die unterschiedlichen Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer gegeneinander auszuspielen. Wir alle haben ein Interesse daran, dass der Verkehr bei uns nachhaltig und sicher ist. Dem künftigen Klimaschutzmanager unserer Gemeinde könnte die Aufgabe zukommen, diese Entwicklung zu gestalten und zu moderieren. Seitens der Gemeinde fördern wir darüber hinaus punktuell, wie zum Beispiel durch die Schaffung von Lademöglichkeiten für E-Bikes.

Was möchten Sie den Rastedern zum Thema „Radfahren im Alltag“ außerdem mitteilen?

Ralf Kobbe: Die Rastederinnen und Rasteder sind schon seit vielen Jahren begeisterte Radfahrer. Dies wird auch bei der diesjährigen Stadtradeln-Aktion deutlich, die eindrucksvoll zeigt, welch großes Radfahrpotenzial wir in der Gemeinde Rastede haben. Egal ob Schülerinnen und Schüler, Berufstätige oder Senioren – alle radeln begeistert mit. Und das ist auch der richtige Ansatz: Wir müssen versuchen, etwas im Kleinen zu bewegen, damit sich daraus etwas Großes entwickelt. Setzen wir uns also weiter auf das Fahrrad, damit Rastede sich zu einem klimafreundlichen Fahrradort entwickelt.

Lars Krause: Rastede bietet mit all seiner Natur viele tolle Optionen für Radfahrer. Das ist auch durch die Corona-Krise noch einmal ganz deutlich geworden, als man statt in der Ferne direkt in unserer unmittelbaren Umgebung reizvolle Orte (wieder-) entdecken konnte. Auf dem Fahrrad nimmt man die Fahrten durch die Gemeinde ganz anders wahr und es gibt einige schöne Strecken, die von motorisierten Fahrzeugen gar nicht befahren werden dürfen. Ich kann deshalb nur alle ermutigen, weiter mit dem Rad auf Entdeckungsreise zu gehen.

Vielen Dank, dass Sie sich so viel Zeit für meine Fragen genommen haben.

Als ADFC-Mitglied freue mich besonders darüber, dass Gespräche zur Stärken-Schwächen-Analyse in Angriff genommen wird. Auch dass die Probleme rund um die Schulen wahrgenommen und dass insgesamt so viele Ideen für konkrete Maßnahmen genannt werden, ist sehr erfreulich. Allerdings sollten meiner Meinung nach nicht nur beim Thema Miteinander im Verkehr Expert*innen-Meinungen stärker beherzigt werden. Gerade die größeren Umbauten, die in den letzten Jahren in der Oldenburger Straße, aber auch am Voßbarg erfolgt sind, entsprechen im Hinblick auf den Radverkehr nämlich nicht dem aktuellen Stand der Technik. Und das spiegelt sich auch in den Problemen, die Radfahrer*innen und Fußgänger*innen dort täglich erleben. Ein linksseitiger Fußweg, der für Radfahrer*innen in beide Richtungen freigegeben wird, ist von vornherein sehr gefährlich. Das kann man auch in Sicherheitsaudits von Expert*innen nachlesen, die zwar erstellt, aber leider selten wirklich ernst genommen werden. Ein gutes Miteinander im Verkehr ist das A und O. Aber auch die Bedingungen bei den Verkehrsanlagen müssen stimmen, wenn Rastede beim nächsten ADFC-Fahrradklimatest als „fahrradfreudlich“ beurteilt werden will.

Auf den folgende Fotos sind einige „Problemzonen“ der Oldenburger Straße zu sehen. Normalerweise sind dort mehr Radfahrer*innen, Fußgänger*innen und Autos unterwegs. Um in Ruhe Fotos machen zu können, habe ich mir eine besonders verkehrsarme Zeit am Abend ausgesucht.

Der Zweirichtungsradweg an der Oldenburger Straße hat viele Einmündungen, an denen Autofahrer*innen auf Radfahrer*innen aus beiden Richtungen achten müssen: Zuerst kommt REWE…
… danach LIDL. Besonders schlecht können Autofahrer*innen die Radler*innen sehen, die von hinten links angedüst kommen.
An der Bushaltestelle warten regelmäßig mehrere Menschen auf den Bus, Radfahrer*innen müssen Schrittgeschwindigkeit fahren und dürfen Fußgänger*innen nicht behindern.
Auch für die Fußgänger*innen, die aus dem Weg herauskommen, ist die Sicht durch die Hecke enorm eingeschränkt. Das führt zu Konflikten mit Radfahrer*innen, die den Weg gar nicht wahrnehmen und, wenn sonst alles frei ist, auch schneller als Schrittgeschwindigkeit fahren.
… dann die Feldbreite und direkt dahinter ESSO…
Nach dem Hirschtor beginnt der Fußweg mit Freigabe für den Radverkehr in beide Richtungen. Auf dieser Stercke kam es am Dienstag, den 15.06.2021, zu einer Kollision zwischen einer Pedelec-Fahrerin und einem zwölfjährigen Radfahrer.
Hinter der Hecke versteckt sich ein Fußweg, aus dem oft Fußgänger*innen und Radfahrer*innen kommen, die man vorher nicht sehen kann.

Großeinkauf

Wie man auf den folgenden Fotos sehen kann, haben wir am Samstag einen Großeinkauf gemacht. Dazu waren wir bei „dm“ in Oldenburg Wechloy und bei „denns“ in der Nadorster Straße. Insgesamt haben wir tatsächlich so viel gekauft, dass man damit auch den Kofferraum eines Kleinwagens füllen könnte.

Davon ist auf den Fotos gar nichts zu sehen? Tja, dann werde ich wohl noch einmal von vorn anfangen und die ganze Wahrheit schreiben müssen: Am Samstag stand uns der Sinn nach einer schönen Radtour. Wie man auf den Fotos sehen kann, sind wir bei unserem „Fahrradausflug Plus“ von Rastede nach Oldenburg und zurück geradelt – insgesamt ca. 28 Kilometer. Was mag wohl bei besagtem Fahrradausflug das „Plus“ gewesen sein? Je nachdem, welches Familienmitglied man fragt, bekommt man hierauf verschiedene Antworten: Ein großes „Plus“ für unsere Söhne waren die Zwischenstopps am Fliegerhorst, an der Eisdiele, am Swarte-Moor-See und natürlich an der Baustelle der Deutschen Bahn in Neusüdende, wo sie die Elektrifizierung der Strecke von Oldenburg nach Wilhelmshaven fachmännisch begutachten konnten.

am Fliegerhorst Oldenburg
Swarte-Moor-See, Oldenburg
Hangar und Rollfeld, Fliegerhorst Oldenburg
Baustelle der Deutschen Bahn in Rastede Neusüdende

Für meinen Mann und mich besteht das „Plus“ darin, dass wir ganz nebenbei den Großeinkauf erledigt haben. Was für kleine Einkäufe gilt, trifft nämlich auch für den Großeinkauf zu: Integriert man ihn in eine abwechslungsreiche Radtour, kommt er einem gar nicht mehr so groß vor, weil Ausgleich und Entspannung in der Natur schon inbegriffen sind. Vor allem aber profitiert das Familienleben, weil auch für die Kinder das Angenehme im Vordergrund steht. Das Nützliche in Form von zwei Einkaufs-Zwischenstopps erledigt sich quasi nebenbei. Statt eines Kofferraums haben wir unseren Fahrradanhänger, zwei Packtaschen und einen Fahrradkoffer befüllt.

Um das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden, ist auch nicht viel Vorbereitung nötig. Je nach Wetterlage hat bei uns jede*r ein Regencape und eine Windjacke im Fahrradkorb sowie etwas Verpflegung und Trinken. Ein Erste-Hilfe-Set für den Fall der Fälle und die Nummer vom ADFC-Pannendienst gehören auch dazu. Den Einkaufs-Zwischenstopp für die gekühlten Lebensmittel planen wir so ein, dass der Heimweg danach nicht mehr allzu lang ist.

Wir hatten jedenfalls einen sehr schönen Samstag, das Auto haben wir wieder überhaupt nicht vermisst. Wer den nächsten Großeinkauf in Oldenburg auch einmal als „Fahrradausflug Plus“ gestalten möchte, kann sich von unserer Route inspirieren lassen. Eine Karte dazu gibt es unter hier: https://bit.ly/3vpalbi (externer Link).

1. Von Rastede (Hankhausen II) nach Oldenburg Wechloy

am Kreisverkehr Oldenburger Straße / Borbecker Weg in den Borbecker Weg;
unter der Autobahnbrücke hindurch, dann gleich links in die Hakenstraße;
nach links auf der Metjendorfer Straße (bis zum Ende),

(Sonst fahren wir ab hier meist einen etwas kürzeren Weg:
über den Bahnweg und Am Streel;
nach rechts in den Neusüdender Weg;
nach rechts in die Ofenerdiecker Str., geradeaus weiter auf der Weißenmoor Straße;
geradeaus weiter auf dem Scheideweg, dann nach rechts in den Bürgerbuschweg;
geradeaus weiter durch den Brookweg, an der BBS Wechloy vorbei zu Am Heidbrok;
am Ende nach links in den Posthalterweg)

Dieses Mal sind wir aufgrund eines gesperrten Bahnübergangs einen etwas weiteren, aber sehr schönen Weg gefahren:
nach der Metjendorfer Straße weiter auf der Ofenerfelder Straße bis zum Ende;
nach rechts in die Metjendorfer Landstraße, dann sofort wieder links: Am Ostkamp;
auf dem Ole Karkpadd über den Fliegerhorst;
geradeaus auf die August-Hinrichs-Straße;
links in den Heideweg;
den Heideweg bis zum Ende, dann links in Ammerländer Heerstraße;
links in den Posthalterweg

2. Von Wechloy in die Nadorster Straße

vom Posthalterweg nach rechts in den Pophankenweg (Kreisverkehr);
am folgenden Kreisverkehr nach links weiter auf dem Pophankenweg;
weiter geradeaus auf dem Infanterieweg;
weiter geradeaus auf der Jägerstraße;
weiter geradeaus auf der Elsässer Straße;
nach rechts in die Werbachstraße;
weiter geradeaus auf der Gertrudenstraße;
rechts in die Alexanderstraße;
die Zweite links in die Kirchhofstraße;
nach rechts in die Ehnernstraße;
nach links in die Nadorster Straße

3. Von der Nadorster Straße nach Rastede (Hankhausen II) – Rückweg

auf der Nadorster Straße nach Norden;
nach links in den Scheideweg;
mit dem Scheideweg nach rechts und dann wieder nach links abbiegen;
weiter geradeaus auf der Weißenmoorstraße;
nach rechts in den Stiekelkamp; geradeaus am Swarte-Moor-See entlang;
nach links: Am Streel; gleich wieder nach rechts in den Schafjückenweg;
geradeaus über „Am Ende“; weiter auf der Grafestraße;
nach rechts in Achtern Grode Feldhus;
die Neusüdender Straße überqueren und weiter geradeaus auf dem Knickweg;
unter der Autobahn hindurch, dann links in den Klostermoorweg;
nach links in die Oldenburger Straße

Das Angenehme und das Nützliche – Radeln und Einkaufen in Rastede

„Einmal hin. Alles drin.“ – so stellen sich viele den perfekten Einkauf vor. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass ein Großeinkauf mit dem Auto sehr viel anstrengender ist als eine Einkaufs-Radtour. Auch wenn mein Autoschlüssel nicht im Gemeindetresor verwahrt wird, erledigen wir daher unsere Einkäufe lieber mit dem Fahrrad. Natürlich bekommt man mit dem Rad nicht ganz so viel weg und fährt daher öfter los. Trotzdem ist es insgesamt nicht stressiger, sondern entspannter, denn man verbindet das Angenehme mit dem Nützlichen: Die körperliche Aktivität an der frischen Luft ist gleich ein schöner Ausgleich. Eine Einkaufs-Radtour auf schönen Wegen ist besonders abwechslungsreich. Bewegung, frische Luft und Abwechslung tun auch unseren Kindern gut. Daher nörgeln sie viel weniger als beim Großeinkauf mit dem Auto. 😉

Gemeindebücherei in der Oldenburger Straße

Am liebsten erledigen wir unsere Einkäufe in Rastede. Denn hier gibt es eine große Vielfalt an Geschäften und zugleich liegt alles so nah beieinander, dass sich die Einkaufs-Radtour sehr gut in den Alltag einfügt. Auf den Fotos sieht man unsere wichtigsten Stationen: Mit einem Kasten Leergut machen wir uns auf den Weg. Als nächstes bringen wir ein Paket zur an der Packstation, um dann im Ort vielerlei zu erledigen und zu besorgen. Auch ein Besuch der Gemeindebücherei gehört dazu. Im Raiffeisenmarkt packen wir 3 Säcke à 40 Liter Blumenerde und jede Menge Heu in unseren Anhänger. Die gekühlten Lebensmittel kaufen wir ganz zum Schluss im Bioladen Steenken. Dabei werden wir auch noch unseren Kasten los.

Sicherlich benötigen wir für eine solche Einkaufs-Fahrradtour insgesamt etwas mehr Zeit als beim Großeinkauf mit dem Auto. Dafür haben wir aber einen erlebnisreichen Nachmittag und sind noch fit für andere Herausforderungen. Da wir nicht alles, was wir uns wünschen, in Rastede bekommen, fahren wir ab und zu nach Oldenburg. Aber auch da verbinden wir das Angenehme mit dem Nützlichen und machen aus dem Einkauf einen Familienausflug mit dem Fahrrad.

Dass Kund*innen mit großem Kofferraum mehr Umsatz in die Kassen der Einzelhändler*innen bringen als Radfahrer*innen, ist übrigens auch ein Vorurteil. Das Deutsche Institut für Urbanistik hat herausgefunden, dass Radfahrer*innen zwar in der Regel nicht so viel auf einmal kaufen, dafür aber öfter wiederkommen und so insgesamt für mehr Umsatz sorgen. Fahrradstellplätze sind daher nicht nur klimafreundlicher, sondern auch wesentlich lukrativer als Parkplätze. Fahrradfreundlichkeit zahlt sich aus!


Die schönsten Einkaufsmöglichkeiten, die man in Rastede mit dem Fahrrad entdecken kann

Mit einem Kasten Leergut machen wir uns auf den Weg.
An der Packstation in der Oldenburger Straße werden wir ein Paket los.
Bei Tiemann in der Bahnhofstraße holen wir ein Buch ab, dass wir über den Web-Shop bestellt haben.
Backwaren besorgen wir im Schlosscafé in der Oldenburger Straße. Hier findet man immer einen Stellplatz.
In der Oldenburger Straße ist auch die Änderungsschneiderei Madame.
Der Fahrradschlauch-Automat an der Bikefactory ist oft die letzte Rettung.

Seit es an der Ecke Raiffeisenstraße einen Orientmarkt gibt, müssen wir nicht mehr so oft nach Oldenburg fahren.
Im Raiffeisenmarkt besorgen wir 3 Säcke Blumenerde à 40 Liter und jede Menge Heu für unsere Meerschweinchen.
Ganz zum Schluss kaufen wir bei Steenken Lebensmittel und werden dabei auch unseren Kasten Leergut los.

Fahrradfrust :-(

Heute war nun so ein Tag, wo ich mich doch ein bisschen nach meinem Auto gesehnt habe. Aber nicht, weil ich besonders weite Wege zurückzulegen oder allzu schwere Lasten zu transportieren hatte. Nein, ich war einfach auf meinen kurzen Weg zur Schule, bin aber innerhalb von 2 Minuten 4 (!) Mal nur ganz knapp einer Kollision entgangen. Ist das nicht verdammt traurig, dass man in Rastede eine Knautschzone braucht, wenn man sich mittags gegen 13.30 Uhr in Richtung KGS bewegt?

Klar, wäre ich zu dieser Zeit in die andere Richtung mit dem Strom der Schüler*innen von der KGS weggeradelt, wäre mir Folgendes vermutlich nicht passiert: Kurz nachdem ich das Hirschtor passiert habe, kommen mir auf dem Zwei-Richtungsradweg Massen von Schüler*innen entgegen. Alle fahren mit mächtig Tempo zu zweit nebeneinander und nehmen den ganzen Radweg, teilweise auch den Fußweg ein. Die Unterhaltungen sind so anregend, dass sie vollkommen vergessen, zwischendurch auch mal nach vorn sehen. Vielleicht haben sie auch nicht mir gerechnet, weil sich um diese Uhrzeit schon gar keiner mehr traut, in Richtung Ortskern zu fahren? Eine Schülerin kommt direkt auf mich zu, ich klingle und bremse ab. Ausweichen kann ich nicht, denn da ist schon die Hecke. In letzter Sekunde schaut sie endlich nach vorn, reißt vor Schreck den Lenker nach rechts und fährt fast in ihre Nebenfrau. Kaum habe ich Luft geholt, fährt ein Auto aus der Einfahrt von Lidl auf die Oldenburger Straße, so dass ich eine Vollbremsung hinlegen muss. Die Fahrerin hat zwar auf die vielen Schüler*innen gewartet, die von links kamen. Dann hat die Geduld wohl aber nicht mehr gereicht, um auch noch einmal nach rechts zu schauen. Gerade trete ich wieder in die Pedale, da rast der nächste Schüler fröhlich mit dem Nebenmann plaudernd frontal auf mich zu. Dieses Mal entgehe ich einer Kollision nur deshalb, weil ich LAUT schreie. Wäre das Ganze ein Film, ließe man die Heldin an dieser Stelle vermutlich erst einmal verschnaufen. Denn alles andere wäre dann doch ein bisschen unrealistisch. Nicht so im echten Leben auf dem Radweg mittags in Rastede: Bei REWE schießt schon das nächste Auto aus der Einfahrt. Dieses Mal komme ich nicht mehr zum Stehen, schreie daher wieder laut und habe Glück, dass der Fahrer mich durchs offene Fenster hört und mit quietschenden Bremsen gerade noch anhalten kann.

Liebe Rasteder*innen, man trifft in diesem netten Ort so viele freundliche und hilfsbereite Leute – in der Nachbarschaft, in der Schule, beim Einkaufen… Warum geht das nicht auch im Straßenverkehr? Bitte tragt alle dazu bei, dass Rastede ein fahrradfreundlicher Ort wird, indem ihr euch an die Verkehrsordnung haltet und mehr Rücksicht nehmt!

Auf dem Foto oben sieht man etwa ein Viertel der Schüler*innen-Fahrräder an der KGS in der Wilhelmstraße. Damit der Fahrradfrust nicht überhand nimmt, zeigen die Fotos unten wieder die schönsten Seiten von Rastede, die Autofahrer*innen leider verpassen.

Und morgen wird alles besser!


Die schönsten Seiten von Rastede, die man mit dem Fahrrad entdecken kann

Schloss Rastede
Tunnelweg, Leuchtenburg
Richtweg, Rastede Südende

Stadtradeln verbindet

Die erste Woche Stadtradeln verging für uns wie im Flug. An keinem Tag haben wir das Auto vermisst, im Gegenteil: Es war eigentlich ganz schön, dass mein Autoschlüssel im Gemeindetresor hinter Schloss und Riegel ist und mir daher die Entscheidung „Rad oder Auto?“ einfach abgenommen wurde. Und es ist erstaunlich, was eine Woche Stadtradeln bei unserer Familie und auch sonst in Rastede schon alles bewirkt hat. Unsere Kinder sitzen nicht mehr wie die Grottenolme in ihren Höhlen vor dem Rechner, sondern sammeln an der frischen Luft jede Menge Kilometer für ihre Teams. Der Wettbewerb mit anderen Teams und den eigenen Teamkolleg*innen, aber auch die netten Gespräche mit anderen Stadtradler*innen über schöne Strecken und interessante Ziele, hat unserer Freude am Radfahren insgesamt eine neue Dimension gegeben. Waren wir in den ersten Tagen noch hauptsächlich auf direktem Weg zu unseren Zielen unterwegs, haben wir inzwischen einen Hang zum „Schlenker“ entwickelt, um neue Wege zu entdecken und unterwegs mehr Natur zu genießen.

Alle Rasteder Stadtradler*innen können gemeinsam stolz sein, denn wir haben in einer Woche Stadtradeln ganze 4 Tonnen CO2 eingespart!! Mir gefällt am Stadtradeln die besondere Stimmung, die entsteht, weil alle ein gemeinsames Ziel teilen und zugleich auch in Konkurrenz zueinander stehen. Natürlich wollen alle Sieger im Ranking sein, andererseits sind alle, die mitmachen, Sieger, denn sie leisten einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz.
Diese Einstellung fällt mir gerade bei den Schüler*innen auf. An der KGS Rastede beteiligen sich besonders viele Schüler*innen aus Jahrgang 6 beim Schulradeln. Die Klasse 6A3 führt sogar mit 1.673 geradelten Kilometern im KGS-Klassenranking. Dass sie das Radfahren an sich schon als einen Gewinn sehen, und welche Erfahrungen sie als Alltags-Radler*innen in Rastede „und um zu“ machen, kann man den folgenden Gedanken von Schüler*innen aus den Klassen 6A3 und 6C3 entnehmen.


Das finde ich am Radfahren besonders schön:

„die frische Luft und das gute Gefühl, wenn man nach langer Zeit ankommt“

„Ich mag das Gefühl zu wissen, dass man mit jedem Kilometer ein bisschen CO2 spart. Mein bestes Erlebnis mit dem Rad ist, wenn ich in der Fahrrad-App sehe, wie viel ich fahre und spare.“

„Man bekommt frische Luft und genießt die Landschaft.“

„Es ist sehr entspannend, wenn man mit dem Rad fährt. Man betätigt sich sportlich und es ist viel schöner mit dem Rad als mit dem Auto.“


Deshalb sollten Menschen mehr mit dem Fahrrad fahren:

„Es ist gut für die Umwelt und es ist gut für die Gesundheit und es macht Spaß.“

„Es müssen auch weniger Autos produziert werden, weil nicht so oft welche kaputt gehen. Der Mensch wird fitter.“

„Damit die Umwelt geschützt wird. Außerdem ist es gut für die Gesundheit, weil dann nicht so viele Abgase entstehen.“

Viele Radler…
… und Räder…
… an der Schule in der Feldbreite.

Das finde ich beim Radfahren problematisch:

„Manchmal fahren Autofahrer nur ganz knapp an einem vorbei und man fühlt sich so, als ob man umgefahren wird.“

„Einmal fuhr ein Auto sehr schnell aus einer Einfahrt und hat mich fast umgefahren. Die Fahrerin schrie mich an und meinte, dass ich schuld bin.“

„Als ich zur Schule gefahren bin, ist an einer Ampel ein Auto über Rot gefahren und hat mich fast überfahren.“

„Ich bin schonmal fast umgefahren worden. Der Autofahrer ist ganz schnell in einer Spielstraße gefahren.“

„Es ist manchmal problematisch, wenn man Fahrrad fährt, weil man oft von Autofahrern übersehen wird.“


Das wünsche ich mir von anderen Verkehrsteilnehmer*innen:

„Autofahrer*innen sollten mehr auf andere achten und sich an die Verkehrsregeln halten.“

„In Spielstraßen sollten Autos nicht mit 40 km/h fahren, sondern in Schrittgeschwindigkeit. Sie sollten außerdem nicht so schnell um Kurven fahren, weil so viele Unfälle passieren.“

„Autofahrer sollten mehr mit dem Fahrrad fahren.“

„Manchmal laufen viele Fußgänger in einer Gruppe zusammen. Ich würde gerne, dass, wenn man als Fahrradfahrer klingelt, alle hintereinander laufen, weil manche ignorieren das Klingeln einfach.“


Das wünsche ich mir für meinen Schulweg:

„Es sollte mehr Ampeln und weniger Schlaglöcher und mehr Fahrradwege geben.“

„Wir brauchen mehr Zebrastreifen.“

„Ich möchte für Fahrradfahrer einen extra Weg, weil der Gehsteig voller Menschen ist.“

„Ich mag die Fahrradwege nicht. Ich bin mal abgekommen und habe mir viele Schürfwunden geholt.“


Die schönsten Seiten von Rastede, die einen „Schlenker“ wert sind

St. Ullrichskirche

Schlosspark
Ellernteich (1)
Ellernteich (2)

Aufsteigen! Fahrradsternfahrt gegen die A20

In den Startlöchern: Auf dem Rasteder Marktplatz warten wir auf die Radler*innen aus Oldenburg.

Heute sind wir als „Fahrradfamilie“ nicht mit dem Rad gefahren, um selbst CO2 einzusparen, sondern um ein Zeichen zu setzen für Klimaneutralität und gegen den Weiterbau der A20. Denn wenn die sogenannte „Küstenautobahn“ durch unsere Ammerländer Moore gebaut wird, wird dabei viel mehr CO2 freigesetzt, als ganz Rastede jemals durch Fahrradfahren einsparen kann: 50.000 Tonnen CO2 würden pro Jahr zusätzlich ausgestoßen werden.

Häufig wird Kritik an Umweltverbänden geübt, weil sie Bauvorhaben aufhalten. Daher hat Susanne Grube vom BUND – für mich eine der engagiertesten und erfahrensten Personen überhaupt – die etwa 1000 Demo-Teilnehmer*innen am Ende ihrer Ansprache beauftragt, allen weiterzusagen, dass es kein Verbrechen ist, sich für den Erhalt unserer Lebensgrundlagen einzusetzen. Diese Botschaft möchte ich hiermit nicht nur weitergeben, sondern noch hinzufügen: Es ist nicht nur kein Verbrechen, es ist eine Notwendigkeit. Das Bundesverfassungsgericht hat Ende April festgestellt, dass das aktuelle Klimaschutzgesetz verfassungswidrig ist, weil es die Lebensgrundlagen der jungen Menschen – und zwar der aktuell jungen Menschen und nicht etwa nachfolgender Generationen – nicht ausreichend schützt. Die A20 ist das klimaschädlichste Bauvorhaben im Bundesverkehrswegeplan. Vielleicht mag diese Autobahn Politiker*innen einmal notwendig und sinnvoll erschienen sein, als die Idee in den 90er Jahren aufkam. Inzwischen ist aus dem Klimawandel eine Klimakrise geworden. Aber auch die Verkehrsentwicklung hat sich vollkommen verändert. Es liegen Studien vor, die zeigen, dass die A20 überhaupt nicht notwendig ist gemessen am zu erwartenden Verkehrsaufkommen und dass das Ganze insgesamt keine wirtschaftlichen Vorteile bringen wird. Für sinnvolle Ziele, wie eine bessere Anbindung bestimmter Orte ans Verkehrsnetz oder die Entlastung von Innenstädten vom Durchgangsverkehr, wurden alternative Lösungen erarbeitet. Insofern ist es unerklärlich, warum man an veralteten Konzepten festhält, anstatt klima- und sozialverträgliche Alternativen zur A20 umzusetzen.

Bei Gut Hahn trafen wir auf die Demonstrant*innen aus Westerstede.

Autofahren in dem Ausmaß, wie wir es kennen, ist ein veraltetes Konzept. Diese Aussage mag für all die, die das Auto täglich benötigen, erst einmal erschreckend klingen. Aber die Konsequenz aus dem Erschrecken sollte nicht darin bestehen, an Konzepten festzuhalten, die die Lebensgrundlagen unserer Kinder gefährden. Gerade, wer auf das Auto angewiesen ist, sollte von der Politik einfordern, endlich eine Verkehrswende zu gestalten, die wirklich allen passende Alternativen bietet.

Für Schüler*innen, die in den Naturwissenschaften und in Erdkunde aufgepasst haben, ist es übrigens völlig unklar, wie man überhaupt auf die Idee kommen kann, eine Autobahn durchs Moor zu bauen. Denn sie kennen die Bedeutung der Moore als CO2-Speicher. Sie wissen, dass aktuell als Weideland genutzte Flächen unsere Zukunft sind, denn sie können wieder zu Mooren verwässert werden und die großen Mengen an CO2 aufnehmen, die wir nicht allein durch Radfahren einsparen können.

Wer sich einmal die Lehrbücher seiner Kinder und die aktuellen Lehrpläne anschaut, wird sich nicht darüber wundern, dass die Jugendlichen in Rastede Klimastreiks durchführen und eine Fahrradsternfahrt gegen die A20 organisieren. Dass Schüler*innen aus den Inhalten, die sie im Unterricht lernen, für sich einen Auftrag ableiten, die Gesellschaft entsprechend zu gestalten, ist für mich als Lehrerin einfach ein Traum. Daher möchte ich mich heute ganz besonders bei Fridays For Future Rastede bedanken für die tolle Organisation einer wunderbaren Fahrrad-Demo. Es war uns ein großes Vergnügen, mit euch im Dauerregen zu radeln!

Ja, wir hatten im Regen tatsächlich jede Menge Spaß – wie man auf den Fotos einwandfrei sehen kann. Während wir am Anfang noch diskutierten, welche Ausrüstung einen wohl am ehesten trocken hält, waren bald darauf alle einfach nur klatschnass. Ich kann daher keinen ultimativen Tipp für die optimale Ausstattung geben, wenn es ums trockene Ankommen geht. Wer dagegen Anregung für kreative Regen-Outfits sucht, wird auf meinen Fotos sicherlich fündig. Ich kann leider auch keine Tipps für eine optimale Bereifung geben, die auch den schlammigsten Waldwegen standhält. Ich bin einfach abgestiegen und habe mein Fahrrad vorsichtig durch den Schlamm geschoben, dabei nette Leute kennengelernt und viel Neues erfahren.


Die schönsten Seiten von Rastede, die man hoffentlich auch in Zukunft noch mit dem Fahrrad entdecken kann

Rund 1000 Menschen demonstrierten auf Gut Hahn gegen den Bau von Autobahnen und die A20, deren Trasse unmittelbar neben dem Versammlungsort verlaufen soll.
Das Bündnis „Moor bleibt Moor“ hat ein Protestcamp an den Garnholter Büschen errichtet, die der A20 weichen sollen.

Vollbepackt und voll entspannt – Alltagstaugliche Alternativen zum Auto

Auch der vierte autofreie Tag war für unsere Familie mit keinerlei Verzicht verbunden. Aber das ist ja auch nicht wirklich verwunderlich, denn das Geheimnis unseres aktuell autofreien und ansonsten auto-armen Familienlebens besteht hauptsächlich in kurzen Wegen. Dass wir im Berufsleben so kurze Wege haben, hat sich andererseits auch nicht zufällig ergeben, sondern ist durchaus die Folge davon, dass wir das Auto nicht als Selbstverständlichkeit ansehen, sondern eher als letztes Mittel. Aber wir hatten auch das Glück, dass sich die entsprechenden Möglichkeiten überhaupt ergeben haben. Die hat nicht jede*r und insofern ist es natürlich auch vollkommener Quatsch zu sagen, dass das jede*r von heute auf morgen nachmachen kann. Was jede*r jederzeit nachmachen kann, ist sicherlich die Grundeinstellung, das Auto nicht als selbstverständlich zu betrachten. Stattdessen kann man sowohl bei kleinen als auch bei größeren Entscheidungen überlegen: Geht das auch ohne Auto? Wie kann ich das angehen, wenn ich im Alltag das Auto möglichst wenig nutzen möchte?

Da viele unserer alltäglichen Wege kurz sind, benötigen wir keine E-Bikes. Als unsere Kinder klein waren, haben wir uns einen sehr geräumigen Anhänger gekauft, der Platz für 2 Kinder bietet und noch einen schönen „Kofferraum“ hat. Seit die Kinder selbst Fahrrad fahren, verstauen wir darin alle Schultaschen und noch jede Menge Einkäufe. Auf den ersten drei Fotos unten kann man sehen, wie sich unser Anhänger an einem typischen Freitagnachmittag auf unseren Wegen durch Rastede nach und nach füllt.

Auch für alle, die keine kurzen Wege haben, gibt es inzwischen tolle Alternativen zum Auto. Auf dem Foto unten ist mein Kollege Christopher Stolz mit seinem Lasten-Pedelec zu sehen. Er hat – jetzt bitte festhalten – sein Auto abgeschafft und sich stattdessen dieses tolle Rad zugelegt. Ich bin absolut begeistert und habe ihn daher ausgefragt, wie es dazu kam und warum ihm das Radfahren so wichtig ist.

Chris, du hast seit Dienstag schon 170 km mit dem Fahrrad zurückgelegt. Wie nutzt du das Rad im Alltag, dass solche Strecken zusammenkommen?

Christopher Stolz: Ich habe einen Arbeitsweg von 15 km von Oldenburg nach Rastede. Zusätzlich habe ich zwei Rennradtouren aufaddiert. Heute wird noch eine Strecke hinzukommen: Ich fahre immer mal nach Bremen zu meiner Freundin. Dadurch werden dann sicherlich noch ein paar mehr Kilometer hinzukommen.

Du fährst also regelmäßig von Oldenburg bis nach Bremen mit dem Rad. Was machst du, wenn ein Gewitter losgeht, während du unterwegs bist?

Christopher Stolz: Es gibt ja immer mal Möglichkeiten, sich unterzustellen. Und dann wird halt abgewartet. Ansonsten gibt‘s die Regenklamotten und dann geht’s weiter.

Zur Schule kommst du jeden Tag mit deinem Lastenrad. Warum hast du dir ein Lastenrad zugelegt?

Christopher Stolz: Ich besitze das Lastenrad erst seit letztem Jahr. Ich komme aus einer sehr rad- und sportbegeisterten Familie und bin früher sehr viel Rad gefahren. Dann habe ich irgendwann festgestellt: Ich bin etwas träge geworden und fahre nur noch mit dem Auto umher. Daher habe ich mich auf die Suche gemacht nach einem Fahrrad, das meine Bedürfnisse erfüllt. Das Lastenrad kam aufs Radar, weil ich eine Möglichkeit brauchte, um meine Instrumente zu transportieren, um Einkäufe zu erledigen und auch Sportgeräte zu transportieren. Dann habe ich mir gesagt, ich möchte auch morgens zur Arbeit kommen, ohne verschwitzt in den Unterricht gehen zu müssen… so dass ich dann auch über die Unterstützung nachdachte und mich für ein Pedelec entschieden habe.

Wie akzeptieren dich denn die Autofahrer, wenn du mit deinem Lasten-Pedelec in Rastede auf der Straße fährst?

Christopher Stolz: Man muss sagen, dass man auf der Straße selten akzeptiert wird von den Autos. Es gibt immer wieder Autos, die einen schneiden, oder eben anhupen, weil sie nicht erkennen, dass ich verpflichtet bin auf der Straße zu fahren. Aber je mehr Menschen auf diese Weise mit dem Fahrrad auch auf der Straße unterwegs sind, desto mehr werden sich die Autofahrer daran gewöhnen.

Du bist Musiklehrer und hast ja schon angedeutet, dass du mit deinem Lastenrad auch Instrumente transportierst. Wieviel passt da rein und was hast du schon alles unterbekommen?

Christopher Stolz: Soweit ich informiert bin – ich habe es selbst noch nicht ganz ausgereizt – ist tatsächlich ein Gewicht von 200 Kilo erlaubt. Das ist super praktisch für Einkäufe. Theoretisch könnte man auch Kleinkinder transportieren. Dafür gibt es spezielle Sitze. Meine Nachbarin hat sich ein Lastenrad geholt, um ihre Schäferhündin zu transportieren. Ich transportiere auch verschiedene Instrumente, heute habe ich die Cajón dabei, ansonsten Gitarren, Saxophon…

Du benutzt dein Pedelec statt eines Autos. Das heißt, das CO2 wird tatsächlich eingespart. Aber das Rad hat natürlich auch einen Antrieb und benötigt Strom. Wie viel Strom verbrauchst du und wie oft musst du laden?

Christopher Stolz: Mein Stromverbrauch hat sich im letzten Jahr schon erhöht, das habe ich bei der letzten Stromabrechnung mitbekommen. Aber genauer kann ich es noch nicht sagen, weil ich das Rad noch nicht so lange habe. Ich habe eine Option mit zwei Akkus. Das sind so 80 km, die ich radeln kann, und dann wird das Ding geladen. Ich kann das direkt im Schuppen anschließen. Und das Laden dauert immer so drei Stunden.

Das Pedelec ist dein Autoersatz. Nun möchte ich es aber auch genau wissen: War es auch so teuer?

Christopher Stolz: Ja, es entspricht vom Kaufwert schon einem Kleinwagen: 10.000 Euro hat es gekostet. Das liegt an der speziellen Ausstattung meines Rads. Eine bessere gibt es nicht und ich habe mir gesagt: Das muss jetzt sein.

Es fallen sicherlich noch weitere Kosten für die Wartung an. Ist das mit dem Auto vergleichbar?

Christopher Stolz: Ich muss nach einer gewissen Anzahl von Kilometern zum TÜV. Bei mir ist das etwa einmal im Jahr der Fall. Aber die Kosten sind nicht mit den Kosten für ein Auto vergleichbar. Neben dem Klima-Argument und dem Freiheitsgedanken, den ich sehr stark mit dem Radfahren verbinde, war für mich der finanzielle Aspekt das Hauptargument für dieses Lasten-Pedelec. Wenn ich mit dem Auto beim TÜV war, habe ich meistens zwischen 600 und 1000 Euro bezahlt. Bei dem Rad sind das maximal 60 Euro. Obwohl es in der Anschaffung erst einmal recht teuer war, ist es also insgesamt sehr viel günstiger.

Auf der Webseite vom Stadtradeln heißt es, das Auto stehen zu lassen sei gar kein Verzicht, denn das Radfahren sei ein Gewinn. Dass es ein großer Gewinn für das Klima ist, steht außer Frage. Was macht für dich darüber hinaus den persönlichen Gewinn aus?

Christopher Stolz: Ich schätze einfach sehr dieses Freiheitsgefühl: Ich kann selbst entscheiden, wann und wo und wie ich fahre, habe gleichzeitig die Tour und den Panoramablick und habe auch das Gefühl, etwas geleistet zu haben.

Was erhoffst du dir vom Stadtradeln?

Christopher Stolz: Vielleicht auch dieses Bewusstmachen … auch gerade für die Kommunalpolitiker*innen, dass wir eben eine andere Infrastruktur benötigen für die Fahrräder. Ich war jetzt nach längerer Zeit mal wieder in Hannover und habe gesehen, dass dort Straßen einfach rigoros zu Fahrradstraßen umgemünzt werden, was ich einfach wunderbar finde. Klar, stoßen sich die Autofahrer*innen daran, aber ich glaube, anders geht‘s eben auch einfach nicht. Entweder man entwickelt komplett neue Straßen oder man räumt eben doch den Fußgänger*innen und Radfahrer*innen eine andere Rolle ein, um so ein bisschen die Mentalität bzw. das Bewusstsein der Leute zu ändern.
Natürlich geht es um den Diskurs, denn wir wollen ja nicht gar keine Autos mehr haben. In Berlin gab es auch spannende Aktionen, wo man deutlich gemacht hat: Wieviel Platz benötigt so ein Auto und wann wird das eigentlich genutzt? Und dass man dann eher in Richtung Carsharing-Angebote geht und schaut: Wie viele Personen brauchen jetzt eigentlich ein Auto und kann man das nicht irgendwie optimieren? Denn das Auto steht eigentlich den größten Teil des Tages rum. Und das macht unsere Städte auch nicht schöner oder klimaneutraler.


Die schönsten Seiten von Rastede, die man mit dem Fahrrad entdecken kann

Parkstraße, Hankhausen
Emsoldstraße, Hankhausen